Ein Ausweg für die SNB, um den Euroschlamassel zu beenden
Die Stimmen gegen die Kursuntergrenze werden immer lauter, nicht nur Hobby-VWLer wie ich haben es längst erkannt, sondern inzwischen auch Leute, die in der Finanzwelt einen Namen haben.
Und sie haben sehr zum Leidwesen von Gewerkschaften und der Schweizer Industrie recht, so hart es tönen mag. Folgende Überlegungen müssen gemacht werden:
- Im Moment levitiert der EURCHF-Kurs haarscharf an der Kursuntergrenze, und es geht das Gerücht um, dass die SNB einen Mount Everest von Euros kaufen musste, damit nicht alle Dämme brechen.
- Vermutlich wetten eine Menge Hedge-Fonds auf eine massive Frankenaufwertung.
- Der Wechselkurs wäre vermutlich real bei etwa 90 Rappen, würde die SNB die Kursuntergrenze fallen lassen. Das heisst, dass wir mit der Kursuntergrenze, wie schon dargelegt, den Kapitalzufluss in den Schweizer Franken sunventionieren und so dem Problem nur noch Vorschub leisten, zur (sehr temporären) Freude von Exportindustrie und Tourismus und zum Nachteil aller anderen.
- Mit den Geldabflüssen aus Spanien, Griechenland und höchstwahrscheinlich Italien wird ein massiver Kapitaltransfer in die noch sicheren Nordländer getätigt, und da die meisten Südländer auch draufgekommen sind, dass der Euro, die sie in Deutschland auf dem Konto haben, von der selben Qualität wie derjenige, der im Süden vorhanden ist, ist, suchen sie sich alternative Währungen wie den Franken oder die dänische/schwedische/norwegische Krone (und auch die Zentralbanken dieser Länder haben Mühe, die Aufwertung ihrer Währung zu bekämpfen).
Diese und weitere Fakten müssten für jeden halbswegs schlau agierenden SNB-Präsidenten Grund sein, folgende Handlungsweise zu ergreifen:
- Die Kursuntergrenze gilt modifiziert - ab sofort wird die Kursuntergrenze jeden Monat um 1.5 Rappen gesenkt, bis dass bei 0 ist (sprich, der freie Markt greift voll durch). Das wäre in 80 Monaten der Fall, Das sollte den Unternehmen auch die Chance geben, sich anzupassen.
- Geldtransfers in die Schweiz von nicht-residenten Ausländern landen auf Sperrkonten und können nur nach dem Eurocrash in Franken umgetauscht werden - zum Kurs, der der SNB keine Verluste beschert.
- Mit den Euro- und Dollarbergen, die die SNB hat, werden Unternehmensanteile von soliden Unternehmen der Realwirtschaft gekauft. Es wird darauf geachtet, dass man so viele Anteile erwirbt, dass man die Unternehmung kontrollieren kann. Mit den Erträgen dieser Unternehmen kauft die SNB dann Gold, um es in der Schweiz zu lagern - Gold hat den Vorteil, dass man es nicht drucken kann. Die Euro-Anleihen, die die SNB hält, sind ebenfalls in Unternehmensanteile umzuschichten, weil es auch in Deutschland Kräfte gibt, die gerne sich von den Schulden lossagen möchten, und dann stehen wir mit den 'sicheren' Bundesanleihen im Regen.
- Bei einem totalen Eurocrash oder einem Ausstiegt der non-FPIIGS-Staaten aus dem Euro müssen sofort Kapitalverkehrsströme unterbrochen werden, bis der Markt einen Boden gefunden hat. Wer bis dann alles in deutsche Unternehmen investiert hat, macht möglicherweise wegen der Aufwertung der neuen D-Mark einen Reibach monumentalen Ausmasses. Für die SNB würde das bedeuten, dass sie damit Franken aufkaufen und aus dem Verkehr ziehen kann.
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