"Die Personenfreizügigkeit hat den Rückgang der Arbeitslosigkeit gebremst."

Inzwischen hat sogar die PADL bemerkt, dass offenbar irgendetwas am Zusammenhang von Arbeitslosenzahlen und den Effekten der Personenfreizügigkeit dran ist:

In der Hochkonjunktur ist die Zahl der Arbeitslosen weniger stark zurückgegangen, als dies ohne Personenfreizügigkeit der Fall gewesen wäre. Zu diesem Schluss kommt Peter Stalder von der Forschungsabteilung der Schweizerischen Nationalbank in einer Publikation des Bundes: «Die Personenfreizügigkeit hat den Rückgang der Arbeitslosigkeit gebremst.» Stalder spricht deshalb von «aus Sicht der inländischen Arbeitnehmenden negativen Folgen der Personenfreizügigkeit».

Man höre und staune! Teuer bezahlte 'Forscher' haben offenbar die gleiche Grafik wie ich damals verwendet:

 

Arbeitslosenzahlen Schweiz 1990-2008

 

Interessanterweise war die Arbeitslosenrate VOR der Einführung der am tiefsten? Wieso? Kann es sein, dass durch ein leicht reduziertes Angebot an einheimischen Arbeitskräften diese zu markträumenden Preisen gekauft, sprich angestellt, werden mussten, und sich so die Kosten für die öffentliche Hand verringert haben? Und wenn die Personenfreizügkeit wirklich eine solche Wohltat war, wieso ist die Arbeitslosenrate ab 2006 nicht auf 1% oder weniger gesunken? Aber wieder versucht man das Argument auszuräumen:

«Die Arbeitslosenquote der EU-15-Angehörigen ist nur halb so gross wie die der Drittstaatenangehörigen.»

Das ist klar - letztere Gruppe beinhaltet alle Asylbewerber, die wir in einem Anflug aus 'Mitleid' aufgenommen haben und sich zu einem im Verhältnis zur restlichen Bevölkerung sehr hohen Ratio in das soziale Netz gestürzt haben, so wie all' das Elend, dass der Schweiz schon brutto mehr Geld kostet als einbringt, und abgesehen davon muss man immer die Vergleichsbasis erwähnen:

Allerdings erwähnt er nicht, dass die Arbeitslosenquote der EU-Bürger praktisch doppelt so hoch wie jene der Schweizer ist.

Wenn wir also die obenstehende Statistik anschauen,die noch keine aktuellen Zahlen enthält, dann muss man von folgenden Raten ausgehen:

  • 2.5% Arbeitslosigkeit allgemein
  • 5% bei EU-Angehörigen
  • 10% bei "Drittstaaten"-Angehörigen

Und da ist nicht einmal die Wirtschaftskrise mit eingerechnet:

Eine Expertengruppe des Bundes geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit wegen der Wirtschaftskrise von 2,6 Prozent im laufenden Jahr auf 4,3 Prozent im Jahr 2010 steigen wird.

Rechnet man mit diesen Annahmen noch einmal durch, ergeben sich folgende Arbeitslosenraten:

  • 4.3% Arbeitslosigkeit allgemein
  • 8.6% bei EU-Angehörigen
  • 17.2% bei "Drittstaaten"-Angehörigen

Da muss sogar der Nationalbank-Forscher leise zugeben, dass man hier im Trüben fischt:

Und Stalder von der Nationalbank kommt zum Schluss: «Über die langfristigen Folgen der Arbeitsmarktöffnung, die auch das Verhalten in konjunkturellen Schwächephasen einschliessen, kann derzeit nur spekuliert werden.»

Nur eben, forschen und dann die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, dafür muss man nicht Forscher™ sein. Sondern nur Zahlen hochrechnen, und das kann jedes Kind, das nicht mit solchen Büchern gezielt verdummt wurde. Aber man versucht weiter, dem Stimmviehvolk Sand in die Augen zu streuen:

Das hält den Bund aber nicht davon ab, in den Abstimmungsunterlagen zur Personenfreizügigkeit davon auszugehen, dass EU-Bürger die Schweiz wieder verlassen, wenn sie arbeitslos werden.

Wer ein bisschen Englisch kann, kennt den Spruch "Assumption is the mother of all f***-ups". Und wer nicht ganz legasthenisch ist, liest weiter und entdeckt folgenden Nebensatz:

Auf Nachfrage verweist man beim Integrationsbüro des Bundes auf eine aktuelle Studie der EU.

"Studien der EU" sind ungefähr gleich zu behandeln wie die Einkaufsempfehlungen meines Hundes, der gerne jeden Tag einen Saucisson Vaudois hätte - die EU will ja ihre Arbeitslosen möglichst nicht selber durchfüttern, und nichts empfiehlt sich da wie die Schweiz mit ihren grosszügigen Leistungen, auch für Arbeitslose aus der EU. Und wenn man sich auf weitere durch teure Forscher bezahlte Studien abstellt, soll te die Personenfreizügigekit nicht mit der Kristallkugel betrachtet werden:

«Über die langfristigen Folgen der Arbeitsmarktöffnung, die auch das Verhalten in konjunkturellen Schwächephasen einschliessen, kann derzeit nur spekuliert werden.»

Ich spekuliere nicht mehr, da ich nicht Forscher bin. Mit dem Graphen von oben 'bewaffnet', und den Prognosen der Wirtschaftsexperten des Bundes, muss ich als geeichter Chartist folgende Feststellungen und Schlusssfolgerungen treffen:

  • Aufgrund der Personenfreizügigkeit ist der markträumende Preis (d.h. der Preis, der den Arbeitsmarkt komplett von verfügbaren Arbeitskräften leerräumt) gesunken.
  • Aufgrund des gesunkenen Preises bekommen ältere Arbeitnehmer schwieriger einen Arbeitsplatz, da bei diesen unter Umständen hohe Kosten für die Pensionskasse anfallen.
  • Leute, die eine Familie haben, benötigen tendenziell mehr Geld - und sind teurer. Das ist bei Arbeitnehmern aus der EU seltener der Fall, so dass sie sich billiger anbieten können und es auch tun, 'paritätische' Kommissionen hin oder her.
  • Einheimische, die sich zu billig anbieten, benötigen dann teure Sozialleistungen wie EL, oder mehr Familienzulagen, oder Krankenkassen-Subventionen, die der Rest dann über Steuern finanzieren muss.
  • Der Effekt, den die zusätzlichen Arbeitsplätze hatten, ist in der Statistik oben nicht sichtbar. Das dem so ist, kann zwei Gründe haben:
    • Die Sekundärarbeitsplätze, die von den 250'000 'Primärarbeitsplätzen' generiert wurden, wurden vollständig von EU-Ausländern und Drittstaatenangehörigen besetzt
    • Diese Sekundärarbeitsplätze haben nur Jobs im Ausland geschaffen.

Mit anderen Worten - die Behauptungen vom SECO, die der Bund in toto ins Abstimmungsbüchlein übernommen hat, sind sehr kritisch zu analysieren und als Argumente für die Personenfreizügigkeit zu verwerfen. Eher im Gegenteil - die Personenfreizügigkeit hat den Rückgang der Arbeitslosigkeit und teilweise sogar umgekehrt, wie sogar der Tagi feststellen muss.

Eine Personenfreizügigkeit mit Inländervorrang wäre vielleicht noch sinnvoll machbar, aber eine ungebremste Personenfreizügigkeit, auch mit Ostblockländern, die im Vergleich zur Schweiz ein astronomisches Lohngefälle aufweisen, ist es nicht. Nur, den Inländervorrang wieder einzuführen, das wird mit unseren willfährigen Politikern nicht passieren.

Das alles impliziert, dass das einzig richtige Abstimmungsverhalten für den Stimmbürger eine Ablehnung der Vorlage am 8. Februar 2009 ist, mit allen Folgen, die dann die Politiker mit ihrer schwachsinnigen Abstimmungsvorlagenvermischung selber tragen sollten, da sie auch für über 90% des Schlamassels verantwortlich sind. Das betrifft insbesondere grosse Teile der FDP, der CVP und der SP, die als Mitte-Links-Koalition sich dann bei einem ihnen ungenehmen Abstimmungsresultat über die geleistete Arbeit selber auf die Schulter klopfen dürfen.